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Sonntag, 2. November 2008

Begegnungen (IV)

Am Hauptbahhnhof Hamburg: Wir kaufen eine Fahrkarte für Swans Bruder, der uns über das Wochenende besucht hatte. Eine ältere, recht gepflegt aussehende Frau spricht uns an und fragt, ob wir nach Bremen fahren würden. Sie sucht offenbar nach Leuten, die sich mit ihr ein Wochenendticket teilen. Fast zeitgleich winken Swan und ich ab: "Ne, ne."

"Unverschämtheit", sagt daraufhin die Alte, als ob es etwas gänzlich entrüstendes wäre, dass wir ein anderes Ziel als Bremen haben könnten.

Dienstag, 5. August 2008

Begegnungen (III)

Auf dem Weg zum Einwohnermeldeamt: Wir studieren eifrig die Karten an der U-Bahn-Haltestelle, um die Straße zu finden, in die wir müssen. Eine junge Frau spricht uns an. "Braucht ihr Hilfe?" Wir erklären ihr, was das gesuchte Ziel ist, sie muss in die gleiche Richtung, bietet an, uns zu führen, erzählt in der Zwischenzeit von sich. Sie habe ihr Studium abbrechen müssen aus finanziellen Gründen, arbeite jetzt für das Stadtmagazin Hinz & Kunzt, das überall auf der Straße von Menschen verkauft wird, die so aussehen, als wäre das der letzte Job, den sie noch bekommen könnten. Irgendetwas kommt mir die ganze Zeit komisch vor. Sie redet als ob sie einen Sprachfehler hätte. Erst als sie sich von uns verabschiedet und lächelt, bemerke ich, woran das liegt: Das Mädchen hat im Oberkiefer keinerlei Zähne. Ich tue Swantje gegenüber so, als wäre es das normalste der Welt, ja nicht einmal erwähnenswert und doch schockiert es mich tief.

Samstag, 2. August 2008

Begegnungen (II)

Vor einer Stunde sind wir angekommen in der neuen Wohnung. Hamburg-Hamm. Es ist spätnachts, aber ich kann jetzt noch nicht schlafen, muss noch einmal durch das neue Viertel schleichen. Es ist ruhig hier, von einer größeren Staße abgesehen. Als ich genau diese entlanglaufe, wittere ich den möglichen Ärger, der von einer Gruppe ausländischer Mitbürger jugendlichen Alters, die vor einer Shisha-Bar stehen, ausgehen könnte, schon von weitem. Aber ich darf keine Angst zeigen – das ist jetzt auch meine Stadt – und deswegen gehe ich stur weiter geradeaus. Mein Herz bleibt kurz stehen, als ich einer der Typen von der Gruppe löst und auf mich zukommt. Er frage nach Feuer und weist mich auf meine offenen Schnürsenkel hin. Hatte er auch schon, dass er wegen sowas "derbe auf die Fresse geflogen" sei, erklärt mir der Braungebrannte, der sich als "Khalid, der Albaner" vorstellt. "Ka-ha-a-el-i-De" sagt er, grinst und gibt mir gleich seine Telefonnummer, als ich ihm zu verstehen gebe, dass ich neu in der Gegend bin. "Kannst morgen vorbeikommen, dann können wir einen Joint durchziehen", so sein Vorschlag, den ich nur zögernd zurückweise (man weiß ja nicht, ob er sich dadurch vielleicht beleidigt fühlt) mit dem Hinweis auf die Arbeit, die kurz nach dem Umzug noch ansteht. "Ich bin aus Bayern hierhin gezogen", erkläre ich Khalid, der sich aber "mit den Bundesländern nicht so auskennt". Dafür hat er einen anderen Hinweis für mich: Ihn kenne hier im Viertel jeder und wenn ich mal Stress mit irgendwem hätte, dann solle ich doch einfach ihn anrufen. Na dann kann ja nichts mehr schiefgehen. Oder?

Donnerstag, 19. Juni 2008

Begegnungen (I)

Auf der Schanzenstraße spricht mich ein bärtiger Obdachloser an, der ein bisschen wie Harry Rowohl oder Karl Marx aussieht: "Hast Du mal 'ne Mark?" Ich weise ihn nicht darauf hin, dass es inzwischen seit 8 Jahren eine neue Währung gibt, sondern antworte freundlich und wahrheitsgemäß im Vorbeigehen mit den Worten "leider nicht", worauf er resignierend entgegnet: "Du lügst doch". Ich drehe mich noch einmal um: "Ich habe selbst nicht viel Geld, sorry". In jetzt agressiverem Ton gibt er mir zur Behebung dieses Problems folgenden Ratschlag: "Dann geh doch mal arbeiten, Mann!"