Freitag, 16. Mai 2008

Tiefenstrukturanalyse (XXIII)

Es ist interessant, zu beobachten, wie die Medien funktionieren: Da wiederholt die Titanic ihren 'Maddie'-Scherz strukturell quasi eins zu eins und überträgt ihn auf den immer noch aktuellen Kriminalfall von Amstetten und schon ist ein neuer 'Skandal' geboren.

Was ist da genau passiert? Die 'seriösen' Medien gieren seit Wochen nach Bildern von den bedauernswerten Opfern von Josef Fritzl, die Titanic macht sich in satirischer Weise genau darüber lustig. Selbiges wiederum finden die sogenannten 'seriösen' Medien völlig geschmacklos, während sie weiter versuchen, mit zum Teil illegalen Methoden in das Krankenhaus einzudringen, in dem sich die Opfer befinden, um ihnen eine Kamera in die Fresse zu halten. Die Titanic selbst greift die Empörung über ihren Witz natürlich sofort wieder auf und nutzt sie für weitere Promo in eigener Sache, wie sie das eigentlich schon immer getan hat.

Ein halbes Jahr liegt zwischen der 'Maddie'-Satire und dieser aktuellen Sache. Und man darf feststellen: Eigentlich hat niemand von den Beteiligten in der Zwischenzeit irgendwas dazugelernt. Außer vielleicht der Titanic, die damals wohl gemerkt hat, dass eine solche vermeintliche Grenzüberschreitungsnummer ziemlich gut zieht. Und in einem halben Jahr, beim nächsten Fall der irgendwie ins Schema passt, drehen wir die Runde dann erneut.

Kommentare:

fellow passenger hat gesagt…

Auch wenn ich Ihrer Analyse grundsätzlich beipflichte, scheint mir die strukturelle Verwandtschaft zwischen beiden Scherzen nicht als a priori gegeben.

Sie haben vermutlich nur den Verlauf gewürdigt, ohne die Witzgenese selbst zu untersuchen. Dann stimmt die Abfolge freilich überein. Auf eine Provokation des Satiremagazins folgt geheuchelte Betroffenheit der Presse, über die sich die "Titanic" wiederum lustig macht.

Die beiden Witze selbst funktionieren unterschiedlich. Gemein ist ihnen nur, daß sie jeweils einen durch die Medien emotional besetzten Aufhänger verwenden.

infinite hat gesagt…

Beide Scherze reagieren auf die Aktionen der Medien, sind klassische Mediensatire und in beiden Fällen wird ein "Lustigmachen über Opfer" angenommen, das nicht zutrifft.

Bei der 'Maddie'-Sache ging darum, dass ihr Bild überall gedruckt wurde, also sponn die Titanic das konsequent zuende, beim aktuellen Fall geht es darum, dass Bilder unbedingt gemacht werden sollen. In beiden Fällen werden jeweils Verhaltensweisen von Medien in Bezug auf Kriminalfälle parodiert und in beiden Fällen ist das eine Art "Tabubruch".

Ich sehe da schon eine strukturelle Parallelität.