Vorsicht: Überlebensgefahr,
Oder: Ein Manifest mit drei Klingen
1.
Und ich bin der Oberdada mit dem allerprimitivsten Verhältnis zum mich umgebenden und der alte Streitruf schallt von fern, schon bevors mitten rein trifft in Dich und nicht erst danach. Und das nennt man dann Boasting, heute, kann nicht mehr lang dauern, wart's nur ab, dann bist Du mittendrin und verstehst ganz genau, was ich meine. iDada, das ist so wie iPod auf shuffle, Guruweisheit und Ich-AG in Einem und gegen die hohlköpfigen literarischen Hermeneutiker und gegen jegliche Sedimentsbildung, das ist wie die verschwurbeltste Mixtapeseife der Welt, die am buntesten schillert und ich rufe es nochmal hysterisch aus: NIEMAND gehört dazu, JEDER gehört dazu und ÜBERALL ist das Leben und ALLES trommelt wild auf meinen Kreativ-Resonanzrippen, sogar der Teufel im Halbjogginganzug, und der Ton, der entsteht, klingt wie ZWUP mit drei dissonanten P und zwei M im Anschwung und das Echo, reflektiert von Affenschädelinnenhohlräumen voller Schnupftabak und Zuckerwatte, pumpt von Bob Ross realistisch hinpinselte Quellwolken ("and a little more white here, you have to love these little fluffy things") auf quietschbunte ÜBERLEBENSGRÖßE!
2.
Und wer plötzlich sentimental wird (in Bezug auf das ERSCHAFFEN, selbstverständlich) und in den Sonnenuntergang oder Vorruhestand reiten will, den schieß' ich eigenhändig von seinem verdammten Gaul, denn wir sind Chaos-Piraten und keine beschissenen Cowboys. Das Cowboytum ist jedes Cowboys Anfang und darum setzen wir direkt dort an, (t)radieren die Hüte und die Colts weg und schicken die vielgestaltigen Untoten rein. Und wenn das nicht hilft, dann auch noch Timothy Leary, der wird diesen griesgrämigen, bohnenfressenden Dreitagebärtlern das Cowboytum austreiben und sie auf einen Trip in die Wüste schicken, auf dem kein Lagerfeuer die Zweifel am Tun wegwärmt und niemand erstmal minutenlang die Augen in Close-Up zusammenkneift, bevor er ernst macht. And I bet that they will not even show up to the showdown after having seen that.
3.
Und wir fotografieren das mit einer vieräugigen Plastik-Lomo aus unterschiedlichen Winkeln und machen eine Collage aus den Fotos, die wir anschließend durch den Dokumentenvernichter jagen und dann, sinnentstellend, zu rekonstruieren versuchen und nur dann ausstellen, wenn die Rekonstruktion völlig misslingt. Und das nennt man dann echte Kunst und das wird Bob Ross nie verstehen, selbst im Nirwana nicht. Deswegen zählen wir ihn zu den Cowboys.
Freitag, 13. Juli 2007
iDada (I)
Instant Poetry (XVII)
If beggars were burglars,
then they'd be rich or in jail.
Es grüßt der,
der ich bin
den,
der ich sein werde,
denn "könnte",
das ist Konjunktiv
und Konjunktiv ist schlecht,
denn wenn ich könnte, würde,
dann wär die Welt aus Eis.
Future is futile,
if there is if.
Freistil (LII)
Zwitterzwang (2007)
Es sprach der alternde Poet:
"Ich will Celan mit Trakl mischen:
Zischelwind und Blutgetrief und
Wortsonnen malen;
vor allem Nachts und
dann auch noch die Popkultur!"
"Regelposie?
- Ist überholt."
meint lapidar
der Rezensent.
Donnerstag, 12. Juli 2007
Freistil (LI)
Kunst ist Rhythmus und Form in die Dinge zu geben (metabeispielhaft: hineinzuzwuppeln), die da sind. Und zwar völlig un-naiv, naiv ist schon das Da-Sein, mehr als nur genug.
Instant Poetry (XVI)
Der Analyst.
In welchem Abschnitt
findet sich die Dunkelheit, dort?
Und suchte sich und die Sachen nahezu identisch.
Mein Schaden wäre es allein,
drum hol' die größten Freuden her.
Und suchte sich und die Sache nahezu blind.
Und analysierte sich und die Sachen nahezu wertlos.
In deinem Sektor, jedoch die Teilchen bewegen sich.
Sandluft nimmt mir den Müll der Rhetorik
aus jenem Sprachloch oder vernebelt
zumindest die hermeneutische Last:
Meinen Titel gehämmert.
Mittwoch, 11. Juli 2007
Mimikry (I)
Ich habe da auch so 'ne Anzeige:
Suche Nachmieter für meine bisherige Wohnung, die ich sehr gern verlasse, um mit Z. irgendwo zusammen zu sein. Die Wohnung liegt völlig beknackt im Industriegebiet (wurde von meiner Ex-Freundin für mich ausgesucht) in einem kleineren Wohnkomplex und verfügt über eine kleine Küche (inkl. Schränke, Kühlschrank und Herd), ein Badezimmer ohne Badwanne, einen Flur und ein großes Zimmer. Bushaltestelle zur Uni liegt drei Straßen weiter vor der JVA. Die Wohnung hat Teppichboden und einige Fenster, ist also ziemlich hell, auch wenn der Teppichboden nichts mit der Helligkeit zu tun hat. Von den Nachbarn (hauptsächlich irgendwelche Asoziale) hört man manchmal dümmliche Technomusik, muss also auch die Musik laut aufdrehen. Bei Interesse ruft einfach meine Managerin an oder mailt ihr.
The Horse And The Swan (2007)
NeuRosen (XV)
Kindhaft-optimistische Naivität war schon immer mein größter Fehler. Und meine wichtigste Stärke. Direkt vor unheilbarer Schizophrenie im umgangssprachlichen Sinne. Ebenfalls in die Neurosen-Top 5 kommen noch die ziemlich tiefsitzenden Verlustängste, die mich wohl als im Kern konservativen Menschen outen, was wiederum etwas ist, das ich mit aller Vehemenz bestreiten würde (siehe auch Platz 2).
Dienstag, 10. Juli 2007
Freistil (L)
Notizzettel für Geschenke, die ich schon bekam, gerne bekommen würde, verschenkt habe und verschenken will (II):
- Plüsch-Handschellen
- Ein Totenschädel von einem Marder
- Holzklotz
- getragener Slip vom ersten Date
- Jonglierbälle
- Schlafmaske
- "The Man Who" von Travis
- Lomo-Kamera
- Ein alter VW-Käfer
- 80cm großes Marsupilami-Stofftier
Montag, 9. Juli 2007
Instant Poetry (XV)
Formloses Ding (Liebe tanzend)
entzückt sich zieht ein veralt Gewand
ihr dessen Kraft erprobter Männer.
Sondern fest tat meine Zunge zwischen;
Fremdling allen Ohren;
Uns haben sterben,
in wollüsten scheinen,
ganze macht erschrocken flieht:
was mag der schlief,
in adern dringen,
Und meinen nicht gewollt, du mein
Lieb das für diesen Baum!
Freistil (XLVIII)
„Turubu rribudo uluw rröködö. Jolafanti bumba ô falli bambla.” – Erste Chance verstammelt, mit dem Sommerloch gereicht.
Freitag, 6. Juli 2007
Freistil (XLVII)
Da ist die Anglistin;
Sie studiert Englisch!
Vom Bordsteinliegen
und Fussmassieren
zum Kochen mit Maggi
und Herzvergessen
in 30 Tagen
in meine Welt.
Donnerstag, 5. Juli 2007
Vor-Sätze (III)
Ich setz' mich hin und zwing' mich, zuzuhören,
werde nicht wegdriften
(I've been drifting for a long long time),
mich nicht an die Glimmstengel klammern,
und auch nicht in den Wolkenrändern deuten,
sondern auf der Stimme Wellen reiten;
Und wenns nur Kauderwelsch ist, dann werde ich diese Sprache lernen und wie ein wie ein Truthahn zurückkollern. Auf jeden Fall drück ich Dir am Ende auch noch nen Kuss auf die Nase drauf.
Freistil (XLVI)
Zehn kleine Mitbringsel aus dem Wortschatzland (II):
implikieren
Knalltüte
kielholen
Narzissen
Absolution
letal
Maieutik
menstruieren
Enthymem
Pissnelke
Mittwoch, 4. Juli 2007
The Offering (W.I.P., 2007)

The Offering - A work in progress (2007)
Based on images done by myself, stock photos from resurgere, mjranum-stock and sxc.hu.
Been working on this one for four or five days. I don't have to much time at the moment since I'm busy with some other 'projects' (Hey, Z.!), but I hope I'm gonna finish it somewhen next week. It definitely needs more detail-work and some other elements.
Sorry for the huge watermark, but i've seen too many of my photomanipulations and illustrations show up somewhere on the web and I don't want this one to be stolen especially since I'm not too shure about the way it turns out. Maybe you'll never see it again, but I wanted to show it at this stage of progress for some reason.
NeuRosen (XIV)
Wenn man fast drei Monate lang seinen Lieblingssupermarkt meidet, aus der irrationalen und statistisch gesehen völlig unbegründbaren Angst heraus, dort jemanden zu treffen, den man sicher nicht zufällig beim Einkaufen treffen will, endlich eines Tages seinen ganzen Mut zusammennimmt, es schafft, sich davon zu überzeugen, dass die Angst schwachsinnig ist, dass es nicht passieren wird, dorthin fährt und schließlich feststellen muss, dass doch genau das wieder eintritt, was man fürchtet, darf man dann anfangen, zu glauben, dass man verflucht ist?
Sag mal, wohnst Du eigentlich in dieser R...-Filliale?
Dienstag, 3. Juli 2007
Instant Poetry (XIV)
Vier Zeilen Glück
Etwas strahlt auf allen Quellen,
Etwas auf irgendeinem Weltgericht,
und freundlich kränzte Dir sich:
Eine Wiese aus Niemand!
Metareflexion, yeah! (VII)
Ich brüte 'ne ernsthafte Schreibblockade aus, das ist so wie eine Grippe ausbrüten, was die Häufigkeit betrifft, schlimmer ist daran allerdings, dass man nichts dagegen tun kann, außer in die Untiefen des persönlichen Archivs hineintauchen, einige ältere Fragmente rauszukramen und an ihnen rumfeilen.
Jedesmal, wenn das passiert, habe ich eine fast panische Angst davor, dass es diesesmal nicht nur vorübergehend ist, dass ich wortlos bleiben könnte.
Montag, 2. Juli 2007
Instant Poetry (XIII)
Die Rede des toten Dichters:
Ein Silberpallast unser Sein,
bei Nacht ein Stampfen.
Keiner steht von dem Tischchen,
all Tag: Demütiger Schüler!
- Kehre wieder: "Was denn, im Schnee?
Was, wenn Sie uns trennt, Robert?"
... Leer ist Dr. K. Nickel, leer, Kinder, erschreckt!
Die, auf welchen Wegen weiß wer wandern,
wissen längst, was Du nur vermuten kannst:
Er ruft auf zu allem Geistgeschick!
Und sei es nur mit Worten.
Traumsequenz (I)
An die Rückenflossen von Delphinen geklammert jagen wir durch die stürmische und verregnete See an einem pazifischen Traumort, einen mitten im Ozean wachsenden, bräunlichen Sandkegelberg nach und nach immer enger umkreisend, ich weiß nicht, nach was wir suchen oder wer die anderen drei Personen sind, bis sich einer von ihnen als Jared Leeto vorstellt (wer ist Jared Leeto? - Ich kenne den Namen) und behauptet, er hätte sein Leben lang nichts Anderes als das hier gemacht. Ich habe so ein diffuses Gefühl, dass diese Suche schwierig wird, dass wir Experten sind in dem, was wir tun, dass hier Experten gebraucht werden und dass hier etwas gesucht wird, das böse ist. Tote Seesterne, gelbe und rote, treiben in den Wellen, die wir in der Geschwindigkeit der Delphine durchkämmen, man muss aufpassen, dass einen die Seesterne, die sich aussen wie Schmirgelpapier anfühlen, nicht ins Gesicht treffen, denn selbiges ist sehr schmerzhaft. Jared will mit seinen Fähigkeiten glänzen, verbeisst sich in die Schwanzflosse seines Delphins und lässt sich so weiterziehen.
Und vor meinem inneren Auge sehe ich plötzlich eine animierte Grafik, die den nicht entzifferbaren Namen einer Frau in gelber, verschwommener und sich bewegender Jahrmarktschrift zeigt, einen bedrohlich langen Namen. Das Ganze ist der Vorspann einer Fehrnsehsendung, in der es darum geht, dass das Wetter manipuliert wird. Eine Wetterhexe, eine dicke, schluchzend schreiende Frau, soll gutes Wetter machen, es war ihr Name im Vorspann. Mir wird sofort klar, wie das mit meiner aktuellen Situation zusammenhängt: Der Tropensturm, in dem wir uns befinden, ist die negative Auswirkung davon, dass die Wetterhexe irgendwo in Europa Sonnenschein erzeugt hat, denn nichts funktioniert ohne einen Ausgleich.
Vielleicht bin ich deswegen hier bei der Gruppe, vielleicht ist diese Art von Hellsicht die Fähigkeit, die mich auszeichnet, die Gabe, die mich berechtigt, mit ihnen auf den Delphinrücken zu reiten, denn ich habe längst bemerkt, dass ich der schlechteste der vier Delphinreiter bin. "Das wird nicht einfach, gar nicht einfach" rufe ich den Anderen zu und sitze plötzlich wach in meinem Bett, weil der Hausmeister anfangen musste, den Rasen zu mähen. Verdammt, ich hätte zu gerne gewusst, wer die zwei Namenlosen waren und nach was wir dort, an diesem skurrilen Ort, eigentlich suchten.









