Wenn man nicht gerade aus einem seltsamen Winkel in den Rückspiegel blickt, dann wird man feststellen, dass man darin ausschließlich sich selbst sieht.
Dienstag, 21. Oktober 2008
Samstag, 27. September 2008
Metareflexion, yeah! (XXXI)
Suchbegriffe, mit denen verschiedene Google-Benutzer laut meinem abgefahren komplexen Besucherstatistikauswertungsprogramm bei diesem Blog landeten (VIII):
-"nebel schelmenzünftich. 1 erster dianenschlag"
-"videokassetten verschenken an jva 2008"
-"affenhirn essen bericht"
-"kiwiland foto sex"
-"versaute textaufgaben"
-"getragener slip benutzen"
-"milchwald blogspot download"
-"die beeindruckendsten photomanipulationen"
-"geisterschwül"
-"unter künstlerischem aspekt könnte man weinen"
Die erste Suchanfrage kann ich erklären: Es handelt sich um den Anfang des Mammutwerkes "Zettels Traum" von Arno Schmidt. Über die restlichen Sucher, die hier eintrudelten, schüttle ich zum großen Teil wieder einmal den Kopf. Unter künstlerischem Aspekt könnte man weinen. Das zumindest passt.
Dienstag, 24. Juni 2008
Metareflexion, yeah! (XXX)
Suchbegriffe, mit denen verschiedene Google-Benutzer laut meinem abgefahren komplexen Besucherstatistikauswertungsprogramm bei diesem Blog landeten (VII):
-"fotzen abgreifen"
-"schlangenlederhose für frauen"
-"titanic fritzl"
-"dendrophile"
-"bilder von schwanzlutschern"
-"das verarschte schneewittchen märchen"
-"billstedt und horn erschuf gott im zorn"
-"kriminalfall amstetten"
-"haarlose fotzen de"
-"ignaz denner: rezension"
Ich bin wieder einmal erstaunt und stelle fest, dass die Laufkundschaft dieses Blogs (d.h. die Leute, die über Suchmaschinen zu mir finden) zum Großteil aus mehr und weniger perversen Pornofreaks, ein paar durschschnittlichen Verrückten und einigen wenigen Literaturinteressierten besteht. Vielleicht sollte ich das Vokabular meiner literarischen Ejakulationen (ups) in Zukunft zensieren, dann findet zumindest die erste Kategorie gar nicht erst hierhin. Hier gibt's nämlich keine Fotzen. Nur Kunst.
Sonntag, 18. Mai 2008
Metareflexion, yeah! (XXIX)
Ich bin Schriftsteller. Aber ich schreibe nicht. Es hat keinen Sinn. Ich verbringe mehr Zeit damit, mich zu betrinken als damit, zu schreiben. Ich wünschte, ich könnte diesen verdammten Roman schreiben, den ich schon schreiben will, seit ich irgendwie aus meiner Pubertät wieder herausgekommen bin (unbeschadet könnte man es kaum nennen) und damit einen Hit landen, der dafür sorgt, dass ich für den Rest meines Lebens keine finanziellen Probleme mehr habe. Aber ich kann es nicht. Und das liegt nicht daran, dass ich der Meinung bin, dass heute sowieso keine Sau mehr Romane liest oder das ich vermute, dass ich nicht das Talent dazu hätte, sondern eher daran, dass meine Figuren billige Klischees sind.
Sie sind keine Klischees im eigentlichen Sinn, nicht so wie XY (setz einen beliebigen Namen hier ein, der Dir in den Sinn kommt) ein Klischee ist, sondern Klischees in einem ganz persönlichen, eher ideolektischen Sinn. Ich schreibe nur über mich und über Menschen, die ich kenne und obwohl ich weiß, dass die meisten Schriftsteller auf der ganzen verdammten Welt genau dasselbe tun, weigere ich mich irgendwie, das als Kunstform anzuerkennen. Ich meine: Was soll diese Scheiße? Kunst sollte Fiktion sein. Sie sollte alleine aus dem Hirn entspringen, nicht aus profaner Erfahrung. Sie mögen vielleicht einwerfen, dass das niemand merken würde, genau wie es bei allen anderen Schriftstellern vermeintlich niemand merkt, aber das ist eine verdammt egoistische Sichtweise von Ihnen, ja genau Ihnen.
Um das Argument zu Ende zu führen: Ich schreibe den Roman nicht, weil jeder aus meinem näheren Umfeld es sofort merken würde. Jeder von diesen Leuten würde sofort wissen, worüber ich da schreibe und welche Figur Charakterzüge von wem hat. Und das ist sicherlich nichts, was man unbedingt erklären oder vor irgendwem rechtfertigen will, noch dazu, wenn man den Anspruch hat, Fiktion zu produzieren. Und wissen Sie: Ich kann sogar beweisen, dass diese Sache mit der Assoziation auf richtige Menschen eine Tatsache und nicht nur eine Theorie ist. Ich habe das sogar schonmal bewiesen, in einem älteren Text von mir, der ähnlich endet wie dieser hier enden wird. Oder dachten Sie etwa nicht, dass die Person, die hier spricht, der reale Mensch hinter diesem Blog ist?
Freitag, 9. Mai 2008
Metareflexion, yeah! (XXVIII)
Audienz (II)
„Ich drehte mich nach links, nach rechts, das letzte bisschen Bodenhaftung verschwand mit der übriggebliebenen Suppe von vorgestern, die ich im Klo hinunterspülte. Immer müssen, das ist so schlimm wie nie dürfen, steht auf einer Postkarte, die neben eben jenem Abort an der Wand befestigt ist. Und das heißt: Das Schicksal, oder noch besser: Der Glaube an das Schicksal ist ein zweischneidiges Schwert. An manchen Tagen ist der Zwang, zu erschaffen, etwas geradezu grausames, etwas, das genauso schlimm ist wie „nie dürfen“. Noch bevor der Gedanke zuende gesponnen war, verechote er sich, drehte dabei einen Kreis und verschlang sich selbst von hinten. Ein Schutzmechanismus meines Kopfes. Dann packte ich meine Sachen und kam hierher. Es sind Dinge zu tun, heute. Dinge, die scheinbar völlig zwecklos sind, aber dennoch von uns getan werden müssen, nicht nur deswegen weil wir sie tun können“, sagte er und grinste mich an.
„Ich sehe, was Du meinst“, antwortete ich. „Aber glaubst Du nicht, dass die Dinge, die wir tun müssen, auch von anderen getan werden können? Glaubst Du nicht, dass Du es alles irgendwie hochstilisierst mit Deinem Glauben an ein Schicksal?“
„Nein“, sagte er. „Das glaube ich nicht. Wenn wir die Dinge nicht selbst tun, tut sie früher oder später jemand anderes, jemand, der es eben nicht kann und dann, ganz tief in uns drin, ärgern wir uns darüber, dass wir sie nicht vorher getan haben. Dass wir sie nicht besser getan haben. Ich habe das zu oft erlebt, um auch nur einen einzigen Gedanken, eine einzige Idee wieder im Nirgendwo verschwinden zu lassen. Es wäre sicher der einfachste Weg, die Ideen einfach wieder entwischen zu lassen, ihnen nicht zu folgen und sich einen Dreck darum zu kümmern, ob es jemand anders tut. Aber irgendwas in meinem Kopf, das auch in Deinem ist, soweit ich das sehe, glaubt nicht an einfache Wege. Nicht auf lange Sicht. Irgendwann kommt eine Idee, der Du folgst und die Dich zu etwas führen wird, dass auch Dich als Person an sich betrifft und nicht nur die Kunst. Die Suche ist nicht immer nur eine Suche, von Zeit zu Zeit findet man auch Dinge, auch wenn die Suche an sich natürlich das eigentliche Ziel bleibt. Unter den gefundenen Dingen kann finanzieller Erfolg sein, kann tiefe persönliche Befriedigung sein, ein großartiges Werk, Unsterblichkeit, was auch immer. Irgendwann kommt ein Weg, der zu soetwas führt. Und wenn er kommt, dann folge ihm bis zu seinem Ziel, aber bleibe dort nicht stehen, sondern folge danach wieder den anderen Funken. Sonst wirst Du leer werden.“
Samstag, 12. April 2008
Metareflexion, yeah! (XXVII)
Audienz (I)
„Mit so einem Bockmist brauchst Du mir gar nicht ankommen. Wirf das weg.“ – „Willst Du mich verarschen? Ich dachte, wir wären Freunde?“ – „Sind wir auch. Aber das heißt nicht, dass ich solchen Schmutz in irgendeiner Form loben werde. Ich beurteile ein Kunstwerk nicht nach dem Künstler. Sorry. Und außerdem entspricht das so gar nicht Deinem Stil.“ – „Na ja, es ist halt ein Experiment. Du sagst doch immer, dass man ständig experimentieren und sich nicht festlegen soll.“ – „Experimentieren heißt doch nicht: Lizenz zum Scheiße bauen. Wenn Du Scheiße bauen willst, dann bau Scheiße. Aber behalt sie für Dich und drück sie mir nicht als mit dem billigen Alibi ‚es war doch ein Experiment’ in die Hand. Auch ein Experiment muss durchdacht sein. Und nur weil es ein bisschen originell ist, brauchst Du nicht glauben, dass niemandem zumindest unterschwellig auffallen wird, wie technisch mangelhaft es durchgeführt wurde.“ – „Du machst mich fertig. Du beleidigst meine Arbeit.“ – „Oh, jetzt komm mir bloß nicht so. Den unverstandenen und sensiblen Künstler spielen wir nicht untereinander. Wir spielen den nach außen, weil wir wollen, dass die Leute uns für feinfühlige Genies halten. Wir wissen, dass es eigentlich bloß harte Arbeit ist. Metaphysisch aufgeladenes Handwerk, wenn Du es eleganter ausgedrückt haben willst.“ – „Ich bin kein Handwerker. Ich bin Künstler. Das ist etwas grundlegend anderes.“ - "Zwei Dinge will ich Dir sagen. Erstens: Nein. Es sind zwei Ausdrücke für dasselbe. Und zweitens: Nur weil ein paar hundert Leute am Tag auf Deine kleine Internetseite gucken, bist Du noch kein Künstler. Guck mich an: Ich hab so was nicht, ich brauche nichtmal einen beknackten Computer. Ich bin Künstler, weil ich es lebe und weil ich hart an meinem Zeug arbeite. Merk Dir das. Und jetzt verschwinde und komm mir nie wieder mit irgendwas an, das Du derart gedankenlos hingerotzt hast." – „Ja, Meister.“
Mittwoch, 26. März 2008
Metareflexion, yeah! (XXVI)
An guten Tagen hat dieses Blog siebzig Besucher, an schlechten knapp zehn. Kommentare sind eine seltene Ausnahmeerscheinung, es kommentieren maximal drei oder vier Menschen pro Woche meist ältere Postings, auf die sie per google gestossen sind, der Rest sind Spambots. Es ist mir ein wirkliches Rätsel, warum ich hier nicht den Durchbruch schaffe, den meine persönlliche Webseite schon vor Jahren gemacht hat, obwohl sie im Vergleich gesehen weit weniger Inhalte hat und viel weniger oft upgedated wird. Es scheint mir fast so, als könne man nur erfolgreich bloggen, wenn man nicht seine eigenen Inhalte postet, sondern lediglich alle paar Tage auf absurde Netzfundstücke, lustige Videos oder Sonstiges (d.h. auf von anderen Menschen generierte Inhalte und fremde Ideen) verweist und kurze, dümmliche Kommentare dazu abgibt. Nur fühle ich mich zu derartigem nicht in der Lage, da ich mich selbst für mehr als fähig genug halte, hier nur eigene Bilder, Videos und Worte zu veröffentlichen.
Hat jemand Vorschläge oder Ideen?
Donnerstag, 28. Februar 2008
Metareflexion, yeah! (XXV)
Suchbegriffe, mit denen verschiedene Google-Benutzer laut meinem abgefahren komplexen Besucherstatistikauswertungsprogramm bei diesem Blog landeten (VI):
-"blut durch deine haut saugen"
-"assistenz profifotografen"
-"beste kunstwebseite"
-"love satzzeichen"
-"narziss"
-"pferdehof leugas"
-"wirrer fisch"
-"studivz +profilbild+people"
-"pink feet"
-"neodada"
Am besten gefallen mir der wirre Fisch und die pinken Füße. Wenigstens ist diesesmal keiner dabei, der seine Mutter bumsen will oder ähnlichen Perversionen, wie ich sie schon ein paar Mal hatte.
Samstag, 26. Januar 2008
Freistil (CXXXIII)
Killing Lisa (I)
Ihr Name war Lisa und ich musste sie töten. Sie trieb mich in den Wahnsinn, sie hielt mich davon ab, endlich neu anzufangen mit dem Versuch einen Roman zu schreiben.
Aber wie sollte ich sie umbringen? Wie sollte die Person zu Tode kommen, die mich seit Jahren begleitete? Die einzige gute Figur, die ich je erfunden hatte? Lisa hatte ein ziemlich komplexes Persönlichkeitsprofil, eine komplette Biographie, nicht nur ein paar Erinnerungsfetzen an alte Bekannte und Eltern, wie meine anderen Charaktere. Ich kannte sie besser als meine engsten Freunde. Ich konnte sie in jede verdammte Situation geraten lassen und ich wusste genau, wie sie reagieren würde. Ich musste fast nichts erfinden, wenn ich mit ihr unterwegs war, denn sie handelte wie von selbst.
Sie war keine Selbstmörderin. Dafür war sie zu stark. Und sie hätte sich nie jemanden so sehr zum Feind gemacht, dass derjenige sie umbringen würde. Außer mich, natürlich. Aber ich war nicht in ihrer Realität und es gab damit keine Möglichkeit, dass ich es selbst hätte machen können. Es gab auch keine Möglichkeit, sie zum Feind von irgendwem zu machen, dafür war sie einfach zu verdammt gutmütig. Die einzigen beiden Dinge, die ihr zustoßen konnten, waren also ein Unfall oder eine Krankheit. Wenn man davon ausging, dass sie jung und kerngesund war, eine Krankheit somit fast ausgeschlossen oder doch zumindest sehr weit hergeholt wäre, blieb nur noch der Unfall. Aber wie sollte das passieren? Lisa fuhr weder Auto noch Rad. Sie setzte sich keinen besonderen Gefahren aus, trank nicht, nahm keine Drogen, trieb keinen gefährlichen Sport.
Ich saß da und dachte darüber nach, wie ich meine beste Figur töten sollte und je länger ich über ihre Art mit den Dingen umzugehen nachdachte, desto mehr begann ich sie zu hassen. Die kleine Miss Perfect. Die immer alles richtig macht. Die jeden mag. Wie kam es dazu, dass sie sich so verändert hatte? War sie zum Gegenspieler meiner selbst geworden im Lauf der Jahre? Oder zu dem, der ich in Wahrheit sein wollte?
Ich erinnere mich daran, wie ich sie das erste Mal traf, vor knapp sieben Jahren. Ich stand rauchend vor einer dieser Bars, in denen sie Musik spielen, die im Radio nicht laufen würde, sie joggte vorbei, mitten in der Nacht. Und als ich sie vorbeilaufen sah, dort, war mir innerhalb von Sekunden klar, dass ich sie nicht einfach wieder aus meinem Leben rauslaufen lassen konnte und ich lief hinter ihr her, was für jemanden, der täglich zwei Schachteln filterlose Malboros raucht gar nicht so einfach ist, und sprach sie an. Es endete damit, dass wir bei ihr landeten und Sex hatten und wie ich später herausfand, war es das erste und einzige mal in ihrem Leben, dass sie mit jemanden geschlafen hatte, den sie nicht schon Jahre kannte. Wir redeten im Anschluss die ganze Nacht miteinander und als ich am Morgen aufwachte und mir alles klar wurde, bekam ich einen Weinkrampf. Ich muss feststellen, dass einer der spannendsten Menschen, die ich je kennengelernt hatte, nur eine verdammte Fiktion in einem Traum gewesen war. Also beschloss ich, mit ihr in Kontakt zu bleiben. Über sie zu schreiben. Im Laufe der Jahre wuchs sie. Sie wurde immer wichtiger für mich und wann immer ich irgendetwas schreiben wollte, in dem eine Frau vorkam, konnte ich versuchen, was ich wollte, am Ende war es immer Lisa, egal welchen Namen ich hinschrieb. Aber das sollte endlich enden. Es musste enden. Damit ich frei für jemand anderen bin, dachte ich.
Ich setzte mich an den Computer und begann zu tippen: Als Lisa Finch an diesem Morgen ihr Haus verließ, wusste sie nicht, dass sie nie mehr dorthin zurückkehren würde. Als sie den Schlüssel zweimal im Schloss umdrehte war ihr nicht klar, dass sie in fünfzehn Stunden im städtischen Krankenhaus an diverse Maschinen angeschlossen liegen würde und dass die Maschinen Alarm schlagen würden. Sie konnte nicht davon ahnen, nichts von den Ärzten, die in ihr Zimmer gerannt kommen würden und alles versuchen würden, um sie wiederzubeleben, nichts von den Tränen, die ihr bester Freund Peter um sie vergießen würde, nicht nur wegen ihres Todes, sondern auch wegen der Tatsache, dass er ihr nie gesagt hatte, dass er in Wahrheit seit Jahren in sie verliebt gewesen war, sie wusste nichts von all dem und nichts von noch so viel mehr. Als sie das Haus verließ, band sie sich ein letztes Mal die Laufschuhe, denn das tat sie immer erst kurz vor dem Start und lief los, in den Tag, dessen Abend sie nicht erleben würde.
Ich brach ab. Es fing zu pathetisch an. Dieser ganze sentimentale Rotz. Es war unglaubwürdig. Und vor allem, und das ist das absurdeste, ich hatte Angst, sie könnte mich hören, wenn ich so anfangen würde und dann, in letzter Minute dem Ende ausweichen, in das ich sie laufen lassen wollte. Ich stellte mir vor, dass sie den Plot plötzlich wie eine Vorahnung in ihrem Kopf sehen könnte, wenn er zu offensichtlich war. Wenn ich Lisa wirklich töten wollte, so wusste ich jetzt, musste ich geschickter vorgehen. Sie in Sicherheit wiegen und zuvor gar keinen Verdacht auf das lenken, was passieren würde. Ich löschte das bereits geschriebene.
Dienstag, 8. Januar 2008
NeuRosen (XXXII)
Ich will nicht mehr mit dem Gedanken an die Gedanken schreiben, die diejenigen in Reaktion darauf produzieren könnten, die hier mitlesen.
Donnerstag, 3. Januar 2008
Freistil (CXIX)
Pamphlet der Groteske
Schlangenwindende Wurmgruben,
schwerzerglibschte Düsternis,
ich wand mich und wurde doch verschluckt,
dort: Augenwände, meterhoch,
Tentakelwälder, Saugnapfküsse,
(schwarze Schlünde, grüner Schleim,)
engverschlungen, halb im Schatten,
dicht und dicht und doch durchdringlich,
das ist die Ästhetik, die ich wollte.
Mittwoch, 26. Dezember 2007
Metareflexion, yeah! (XXIV)
Suchbegriffe, mit denen verschiedene Google-Benutzer laut meinem abgefahren komplexen Besucherstatistikauswertungsprogramm bei diesem Blog landeten (V):
-"dadaismus reichtum depression"
-"gleissendes licht löscht bilder"
-"missglückte permanent make up bilder"
-"neurosen abschalten"
-"studivz kaktus im gesicht"
-"weißer ritter alice rückwärts sprechen"
-"bewusste halluzination"
-"art of love orgasmus"
-"duschen mit kette abnehmen"
-"art naiv"
Richtig kreativ, die Menschen, die mein Blog ergoogeln. In manchen Fällen frage ich mich dann aber schon, ob hier zu Weihnachten normale Kekse genascht wurden... einen scheinbar Verrückten kann ich zumindest erklären: "weißer ritter alice rückwärts sprechen" bezieht sich auf 'White Rabbit' von Jefferson Airplane, dessen Text ich irgendwo ganz hinten im Archiv mal als Zitat ins Deutsche übertragen hatte =).... white knight is talking backwards.
Mittwoch, 19. Dezember 2007
Freistil (CXIV)
Kollektiv
Sie trieben die ganzen schwarzen Schweine ins Bergwerk hinunter. Ich stand drüben am Turm, die gleißende Herbstsonne genau über der Kuppe des Berges. Aus dieser Entfernung sah es ein bisschen so aus, als würde ein grotesk großer, schwarzer Tausendfüssler in einem Loch verschwinden, gefolgt von eine handvoll Stöcke schwingender bunter Kleckse. Ich zündete mir eine Selbstgedrehte an und dachte über das nach, was Elias über die Theorie hinter der ganzen Sache gesagt hatte. Es machte auf bizarre Weise Sinn und doch hatte ich ein verflucht ungutes Gefühl dabei, was mich allerdings nicht daran hinderte, mich hinzusetzen, die letzten Sonnenstrahlen auf meine Glatze scheinen zu lassen und langsam wegzudämmern, betäubt von Whisky und dem undefinierbaren Zeug, das man hier dem Tabak beimischte. Als nach einigen Stunden einer der Leute wieder nach oben kam, ein bärtiger Typ mit einer roten Kapuze, den ich als den 'Zerrmixer' kennengelernt hatte und in eine silberne Trompete blies (es schien mir kurz, als würde sich die Sonne so darin refektieren, dass das Licht direkt in meine Augen fiel), war ich schlagartig hellwach. Die helle, kurze Tonfolge hatte sich irgendwie in meinem akustischen Wahrnehmungskanal verfangen und spulte sich selbst immer wieder ab. Ich stand auf und ging schwankend auf den Eingang des Bergwerks zu.
"Wir haben es wieder vollbracht". Jannis strahlte. Er war über und über mit Blut besudelt, seine Hände und kompletten Unterarme waren rot, sein Gesicht sommersprossenartig mit trocknenden Spritzern übersäht. "Ich bin beeindruckt", sagte ich. Beim Film nennt man es Wort-Bild-Schere, wenn das, was gesagt wird und das, was die Bilder ausdrücken, auseinanderdriftet. Die Schere zwischen meiner Mimik und meinen Worten war hoffentlich unübersehbar. Ich fühlte nur Abscheu. "Neuling, Du hast keine Ahnung", sagte Elis, "keine Ahnung". Er wiederholte die beiden Worte anschließend noch einmal. Oder war das nur wieder das, was sie Loop nennen und mit der Droge zusammenhängt? Es war mit scheißegal. Ich konnte mit dieser Situation nicht umgehen. Fünf Männer und drei Frauen, die gerade an die sechzig Tiere mit beinahe bloßen Händen umgebracht hatten, um einer von ihnen selbst erfundenen Inspirationsgöttin zu huldigen, an deren Existenz sie nichteinmal im tatsächlichen Sinne glaubten. Umgebracht? Niedergemetzelt. Wie war ich hier hineingeraten? Ich hatte natürlich, wie jeder von uns, schon von primitiven Tieropferritualen gehört. Schließlich kommt sowas sogar in der Bibel vor, oder nicht? Aber das hier was etwas anderes, wahrscheinlich deshalb, weil es nicht nur Literatur war. Weil es nicht in einer lang verflossenen Epoche spielte, sondern im Hier und Jetzt. Weil diese Leute kein primitiver Stamm in der dritten Welt waren. Es war barbarisch, es war wahnsinnig roh. Es war ekelhaft. Und es funktionierte.
Ich blieb. Nach einiger Zeit gewöhnte ich mich an das jährliche Fest. Als ich das vierte Mal daran teilnahm, bemerkte ich, dass ich schon Wochen davor begann, mich heimlich darauf zu freuen. Ich war endlich Teil einer Gemeinschaft, die nur den Zweck verfolgte, Kunst zu erschaffen. Und das Fest verband uns. In manchen Situationen muss man seinen inneren Schweinehund bezwingen. Bei uns muss man ihm freien Lauf lassen. Nach dem fünften Jahr erklärte ich zum ersten Mal einem Neuankömmling, dass er keine Ahnung hätte. Und ich war überzeugt von dem, was ich sagte.
Donnerstag, 13. Dezember 2007
Tiefenstrukturanalyse (XVII)
Bedeutung an sich existiert nicht. Sie muss erst geschaffen werden. Die bessere Bedeutung ist dabei immer die, die man selbst schafft, oder noch besser, in Kollaboration mit anderen schafft, so dass man sie auch beim sozialen Interagieren benutzen kann. Dabei gilt in den meisten Fällen: Je weniger Menschen an der Schaffung und Nutzung der jeweiligen Bedeutung beteiligt sind, desto besser ist sie. Kollektive, gesellschaftlich umfassende und erlernte Bedeutungen sind dagegen minderwertig. Darüber hinaus gilt natürlich das, was man „Klischee“ nennt als niederste Form von kollektiver Bedeutung, die einfach jeder versteht und die einen oft derart brutal anspringt, dass man sich ihr nur durch Ignoranz ihre ganzen Existenz entziehen kann.
Freistil (CXI)
Der komplett rationale Amoklauf
Mit zugespitzten Metaphern bewaffnet,
mit stahltürgeschützten Chiffren bewehrt,
von koinzidenzgenerierten Kodeworten verschlossen,
wahnwütig, nicht -witzig,
irre ich, halbverhederrt,
durch das blickdichte Dickicht der Poesie,
das Ziel vor Herzen, vor Augen nichts außer Dir.
Freitag, 7. Dezember 2007
iDada (XII)
Die Polizei der Polizei (Das Dada-Ei) – Ein Manifest
Der größte Feind der Kunst ist die Kunst selbst. Alles, was als solche von irgendjemandem anerkannt wird, und das man selbst, in welcher Form auch immer, rezipiert, setzt, wenn auch nur unbewusst, Maßstäbe, denen es zu folgen gilt. Man kann keine Kunst machen, ohne zu wissen, was Kunst ist, aber genau dieses Wissen macht es unmöglich, originell zu sein. Selbst der absichtliche Bruch mit dem, in unserer von "Kunst" und "Kultur" (die Anführungszeichen sind sarkastisch gemeint) völlig durchdrungenen Welt, fast automatisch angesammelten Wissen bezieht sich in der Negation implizit darauf, das ist das Dilemma, dem man einfach nicht mehr entkommt und das zu den diversen Diagnosen eines natürlich niemals stattgefundenen "Todes der Kunst" geführt hat, die allerdings, trotz der Tatsache, dass sie, natürlich in Bezug auf die reine Praxis, unbegründet scheinen, schwer zu ignorieren sind. Nachdem die Avantgarde (und ich verwende den Begriff bewusst in einer bestimmten, argumentativ manipulativen Form, die meine später klar werdende Aussage unterstützen soll) mit ihren Readymades und der monochromatischen Malerei quasi am Ende aller Radikalität ankam, d.h. beim Nichts als Kunst gelandet ist und damit ihren eigenen, in der Konzeption schon enthaltene Kreis geschlossen hat (das Nichts als Anfang und Ende aller Kunst), bleibt allein der Dadaismus, oder viel besser, die grundsätzliche Idee der Dadabewegung als Möglichkeit, dem Dilemma zumindest teilweise zu entrinnen. Selbiges passiert bei Dada vordringlich über folgende Ebenen: a) Die Zufälligkeit als Element der Kunst, die eine bewusste Planung und Konzeption ausklammert, den Künstler als Faktor quasi fast (und "fast" ist hier beinahe zu schwach und auch ungenau mit dem Vorargument verknüpft, denn man ging tatsächlich, auch ohne Bezug auf den Zufall, von fabrikartiger, anonymer Kunstproduktion als Idealbild aus) wegsubtrahiert und den Schaffensprozess und vor allem die seit zu langer Zeit existierende Genieästhetik damit gleichzeitig ironisiert b) Die bewusste Aufbrechung aller Schaffensvarianten in kleinste Teile und die anschließende Rekombination derselben auf der Suche nach einer grundlegend neuen Form von "Sinn", die selbst bei der Sprache an sich nicht haltmacht (man denke an Lautgedichte und Collagen, die leider viel zu wenig Aufmerksamkeit durch die Kritik erhalten haben und erhalten, ebenso wie die traurige Tatsache, dass selbige Genres leider untergingen bzw. in den schmutzigen U-Kultur-Niederungen der Pop-Art re-verortet wurden) c) Die Nicht-Wiederholung des Fehlers, den abstrakte oder moderne Kunst (auch hier an eine sehr spezielle Definition denkend) gemacht hat, der darin besteht, in die tragische Situation zu geraten, umso mehr theoretischen Background zur Selbstlegitimation zu brauchen, umso abstrakter die Sache wird (und die zugehörige, bewusste Ironisierung von genau dieser Situation durch Dada mittels Manifesten, die sich selbst für ungültig erklären) d) Die absichtlich kindliche, nicht-voreingenomme oder auch "primitive" (im Sinne von archaisch-kulturelle) Herangehensweise an den Schaffensprozess e) Die absichtliche (an dieses Adjektiv möge man Zweifel anfügen; evtl. ist auch die schlicht vorhandene Heterogenität der beteiligen Künstler Schuld daran; die Tatsache an sich lässt sich aber nicht leugnen) Nicht-Entwicklung einer ausgeprägten eigenen Ästhetik und die damit einhergehende Vermeidung von Klischees in irgendeiner Form.
All das macht das Verständnis der Kunst im Sinne von Dada, selbst wenn es keine Idealform ist, die, wie zu Beginn erläutert, seit dem Ende der radikalen Zuendeformung der (Anti-)Kunst nicht mehr möglich ist, zum eigentlich einzigen noch Akzeptablen für jemanden, der Kunst nicht im Sinne einer vorgeprägten Ästhetik bloß reproduzieren will bzw. kein vordringlich handwerkliches Verständnis von der Sache hat und der nicht auf den reinen Schockeffekt setzen will, den man in der Vergangenheit oft in die Nähe der Dadabewegung verortet hat, wo er im Grunde nichts verloren hat. Die Avantgarde ist am Ende, die Moderne Kunst, die oft den Anspruch hat, noch Avantgarde sein zu wollen, immer stärker theoretischen Gerüsten verpflichtet, Pop-Art hat sich in Werbung und Design völlig funktionalisiert, die abstrakte Kunst kleckst nur noch zweck- und sinnfrei um eine selbstgeschaffene und längst etablierte Ästhetik herum und spielt dabei, wie auch der ganze, im Grunde gar nicht erwähnenswerte Rest nur mit Varianten von bereits Bekanntem. Wir müssen den Geist des Dada neu beschwören, und sei es aus der schlichten pragmatischen Feststellung heraus, dass er die meiste Freiheit für die Kunst verspricht.
Freistil (CVIII)
Glücksanleitung
Such Dir Sinn und mach Dich groß,
nimm zwei Stöcke in die Hand
und fang endlich an zu trommeln,
trommle laut und schrei' dazu,
schrei' Worte wie den Bienenvater,
vierfachbödig, Wolkenpumpen,
brutalst bunt und kreatürlich.
Donnerstag, 6. Dezember 2007
Metareflexion, yeah! (XXIII)
Das ganze Schaffensprozedere ist bisher von allen Theoretikern falsch angegangen worden. Kunst muss aus dem Künstler in der Art geboren werden wie z.b. ein Baum einen Apfel hervorbringt, es muss eine natürliche Geburt sein, die in der Folge auch kein blosses Abbilden von irgendwas, das die Natur schon gemacht hat, sein kann, sondern eine völlig eigenständige Frucht erzeugt.
Kunst ist in der Folge dessen selbstverständlich "abstrakt" oder "fremd" für den, der diesen Prozess nicht erkannt hat. Und der ganze Rest ist eher Journalismus.
Montag, 26. November 2007
Instant Poetry (LXI)
Ohne Farbe (Eigenschaft I)
Schaut, oh Wasserlilienkelche:
Alle Lichter, alle fernen Orte!
Kleinteil, im Menschenmunde
größstes Wunder.
Um die versunkenen Tempel
stehen Cypressen,
und sofort und kamerabewert
schweift er zu Aug um Aug!
Samstag, 24. November 2007
Wort für Wort (XXXI)
"Hey, würdest Du vielleicht ein gutes Profilbild fürs StudiVZ von mir machen?" – "Nein." – "Nein? Aber für den Dings hast Du doch..." – "Nein. Habe ich nicht. Ich habe den Dings photographiert und er hat mich im Anschluss gefragt, ob er eins der Photos dort verwenden darf, was ich mit einigem Widerwillen erlaubt habe. Photographiere ich etwa neuerdings für irgendwelche billigen Web2.0-Absteigen?" – "Aber.." - "Jetzt komm mir bloss nicht mit dem Argument, dass ich da doch selbst Photos hochgeladen hätte. Ja, habe ich. Genauso wie bei Facebook, Myspace und allen sonstigen an sich zweckfreien Plauderportalen. Und zwar um meine Arbeit zu promoten, die an sich nichts, aber auch gar nichts mit diesen Seiten zu tun hat."
