Mittwoch, 17. September 2008
Montag, 15. September 2008
Freistil (CLXXIX)
"Ich hasse mich für meine Emotionalität und meine Instabilität. Ich hasse mich für die Art und Weise, wie ich mich selbst manchmal lähme und blockiere, wie ich Dinge grundsätzlich nur aus dem schwärzesten Blickwinkel wahrnehmen kann. Ich bin dabei einfach nur auf der Suche nach einem ganz normalen Leben und nach Menschen, denen ich bedingungslos und permanent vertrauen kann, ich beneide heimlich diejenigen meiner Mitmenschen, die in meinem Alter schon so etwas wie eine eigene Familie haben. Auf der Suche nach etwas Magie im Alltag, das bin ich maximal. Und auf der Flucht vor der Kunst, die mich immer wieder mit ihren manchmal kalten, erbarmungslosen Händen packt und der es so scheißegal ist, wie ich mich fühle, wenn sie mich dazu zwingt, Dinge zu tun, mich vergewaltigt. Sie ist immer da und wird immer da sein, aber sie nimmt mich nicht in den Arm", sagte er.
"Du willst also bedingungslos geliebt werden?", lachte der alte Mann. "Früher gab es solche Dinge, mein Junge. Früher. Heute kannst Du froh sein, wenn sich überhaupt irgendjemand einen Dreck um etwas anderes als sich selbst schert. Du bist dummerweise genau in einer Zeit geboren, in der ein Übergang zu etwas anderem stattfindet, das noch nicht ganz klar ist und Du musst Dich damit arrangieren. Wenn Du Menschen beneidest, die Familie haben, dann beneidest Du nur Illusionen, nur vereinzelte, reaktionäre Verhaltensweisen, die nichts mehr damit zu tun haben, wie die Menschen heute wirklich sind. Die rational beste Lösung ist die, dass Du selbst zu einem Egoisten, oder, wenn Du das aus irgendeinem Grunde nicht kannst, gleichgültig wirst und nur noch auf Dich selbst vertraust. Alles andere zerstört Dich über kurz oder lang. Freu' Dich über die Kunst, freu' Dich, dass sie Dich ausgesucht hat, ihrer Liebe kannst Du Dir sicher sein. Menschen, die an das Gute im Menschen glauben, überleben heute hingegen in der Regel nicht besonders lange."
"Aber ich möchte gerne glauben", sagte er. "Vielleicht sind das nicht in jedem Fall nur Illusionen."
"Ich sehe schon, Du bist noch nicht soweit. Du musst erst noch tiefer fallen. Oder viel öfter", antwortete der Alte und kicherte gehässig in seinen Bart, schadenfroh über die Dinge, die mir seiner Meinung nach zwangsläufig noch zustoßen würden.
Freitag, 12. September 2008
Freistil (CLXXVIII)
Das langerwartete Computerspiel "Spore" des SIMS-Erfindes Will Wright soll, wenn man den Kritiken glauben darf, ein ziemlicher Flop sein. Der im Spiel integrierte 'Creature Editor' (in der deutschen Version 'Spore Labor'), der zusätzlich als Standalone-Programm veröffentlicht wurde (und zwar in einer kostenlosen Version und einer Version mit mehr Features für 10 Euro) ist wirklich atemberaubend: Er erlaubt es jedermann mit spielerischer Leichtigkeit dreidimensionale Wesen zu erschaffen, die sich lebensecht animieren lassen. Man wählt dazu aus hunderten verschiedener Basisteile die gewünschten aus, pflanzt sie dem vorher erstellten Körper an beliebiger Stelle auf und bringt dann die neuen Bestandteile in einem Prozess, der dem Spielen mit Knetmasse nicht unähnlich ist, in die gewünschte Form. Das wiederholt man, bis man das Gefühl hat, dass die eigene Kreatur nun vollendet ist. Anschließend kann man sie in einer Art Testgelände herumlaufen lassen, ihr Befehle erteilen und die Aktionen per Videocapture festhalten um sie anschließend auf einer Videoplattform wie z.B. youtube der ganzen Welt zu zeigen.
Und weil das nicht annähernd beschreibt, wie extrem spannend und originell das Ganze ist und wieviel von seinem eigenen Stil man in die Schöpfung einbringen kann, habe ich für meine bislang erschaffenen Kreaturen einen eigenen Zoo eingerichtet, der sich hier findet. Wer eher auf knuddelige oder lustige Wesen steht, der darf bei youtube unter dem Suchbegriff 'Spore Creature' etwa 142.000 Videos bislang erstellten Schöpfungen bewundern, die in etwa die Vielfalt der Möglichkeiten zeigen.
Donnerstag, 11. September 2008
Wort für Wort (XLIV)
"Hey Du, ich ruf an, weil, äh, Du kennst Dich doch mit Computern aus, oder?" - "Kommt auf das Gebiet an, aber grundsätzlich: Ja." - "Gut. Also das Internet geht nicht." - "Ich kann Dich beruhigen. Ich sitze grade selbst vor dem Rechner und das Internet funktioniert einwandfrei. Es muss also an Deinem Anschluss liegen."
Dienstag, 9. September 2008
Instant Poetry (CXVIII)
Kein Adam und keine Eva will mit Dir Pläne schmieden.
Bröckeliges Zaungebilde? Ich suche den Schwan
hinterm Horizont muss er irgendwo sein,
ich glaube, ich hörte ihn dort nagen.
Samstag, 6. September 2008
Instant Poetry (CXVII)
Die Gefahr einer unbedeutenden Satzstellung:
Aufgrund des fahlen Lichts zur Kälte.
Freitag, 5. September 2008
Tiefenstrukturanalyse (XXVI)
Die Sache mit dem Affenhirn...
Seit vielen, vielen Jahren höre ich immer wieder die groteske Geschichte, dass in China (oder wahlweise Taiwan, Vietnam, Indonesien, Japan, Thailand, Indien oder Afrika) Affenhirn von lebenden Affen ('live monkey brains') gegessen wird. Die Legende besagt, dass ein Affe dabei unter einem runden Tisch im Restaurant festgeschnallt wird, der in der Mitte ein Loch hat, aus dem sein Schädel rausguckt. Dann wird der Kopf aufgesägt und die Gäste essen fröhlich das Gehirn aus dem Kopf wie aus einer Schüssel, während der Affe unter dem Tisch schreit, um sich schlägt und sich mit Leibeskräften wehrt.
Ich bin nach langer Recherche zu dem Thema mittlerweile stark davon überzeugt, dass es sich um eine urbane Legende (ähnlich den Alligatoren in den New Yorker Abwasserkanälen, aber viel diffuser und variantenreicher) handelt, die Geschichte hält sich dennoch hartnäckig. Zuletzt entdeckte ich bei Spiegel TV einen Bericht über den illegalen Tierhandel in Burma (Achtung: das Video ist zweiteilig), in dem der dort oft tätige Photograph und Naturschützer Karl Amman über einen Affen auf dem dortigen Markt sagt, dass das diese Art von Affe sei, die man in der oben genannten Form verspeisen würde. Ich habe Herrn Amman natürlich sofort eine Mail geschrieben und ihn gefragt, woher er die Geschichte kenne und ob er eine first-hand experience zu dem Thema beitragen könnte. Seine Antwort überrascht mich nicht sonderlich:
"Dear Mr. Baumer,
we did not do much research on this since the local guide of special region four which does not see many western tourists confirmed that it was a practice going on. He also stated that until a few years ago he knew of a restaurant which had the table with the hole on the top and that he did not know what happened to the table when it closed down. I myself must have checked a dozen of the primate skeletons in the traditional Chinese market and they all had their skulls smashed in. Clearly this might have been done to preserve the skeleton but I doubt that having gone through this effort the brain tissue would then be wasted.
So I am totally convinced this is more then a myth."
Ein lokaler Führer hat ihm also davon erzählt, aber auch dieser hat nur mal von einem Restaurant gehört ("he knew of"), das einen solchen Tisch gehabt haben soll. Dieses hat natürlich schon seit einigen Jahren geschlossen und der Tisch ist verschwunden.
Die Art und Weise, wie die Geschichte weitererzählt wird, ist bemerkenswert und die Tatsache, dass Amman mit diesem grauenhaften Bild im Hinterkopf auf dem Markt viele Affenskelette gesehen hat, bei denen der Schädel eingeschlagen wurde, lässt ihn natürlich nicht mehr an der Sache zweifeln, er übersieht dabei aber, dass Affenhirn tatsächlich in Asien gegessen wird. Nur halt nicht von lebenden Affen. Die Aussage des respektieren Naturschützers bei Spiegel TV hingegen wird sicherlich hunderte von Menschen generieren, die die Story in irgendeiner Form weitertradieren, schließlich gilt er als verlässliche Quelle. Ich habe ihn darum gebeten, sich bei Gelegenheit nochmal nach dieser Geschichte umzuhören, wenn er wieder dort ist und bleibe mehr als skeptisch.
Mittwoch, 3. September 2008
Musikalische Fundstücke (VII): Metallica - 'Mouldy'
Das frühe Demo von Metallicas 'Hero Of The Day', betitelt 'Mouldy' (nach der Tatsache, dass die Band schon so lange mit dem Riff rumgespielt hatte), gräbt dem sehr alternative-lastigen Original fast das Wasser ab. Wer sich fragt, was James Hetfield da an einer Stelle kryptisches singt, dem sei gesagt, dass er in mehreren Demos von Metallica lediglich lautmalerisch die Melodien intoniert, falls zu dem jeweiligen Zeitpunkt die Lytics noch nicht geschrieben waren. Anzuhören hier.
Rezensionen (X): Nirvana
Band-Komplettreviews (III):
Nirvana.
• Bleach (1989) - Rohes Debütalbum zwischen Punk und Metal, das noch nichts vorwegnimmt, streckenweise aber schon vorrausdeutet. 6/10
• Nevermind (1991) - Zwischen Popmelodien und Punkriffs: Das nahezu perfekte Album zum perfekten Zeitpunkt, das die 80er endgültig zu den Akten legt und die Band zur Legende macht, streckenweise aber von Produzent Butch Vig zu glattgeschliffen wurde. 9/10
• In Untero (1993) - Kurt Cobain verweigert sich dem Druck, ein zweites Nevermind zu schreiben und experimentiert stattdessen in genialischer Weise mit Noise- und Postrock-Elementen, schreibt dazwischen aber trotzdem große Hits. 10/10
Instant Poetry (CXVI)
In einer Vorbereitung entstanden Vorfrüchte.
Und es krächtzt ewig zwischen meiner Zahnlücke,
bis es heisse Asche regnet.
Montag, 1. September 2008
Briefing (XV)
Lieber Will Smith,
versteh mich bitte nicht falsch: Ich mag die Filme in denen Du mitspielst eigentlich ganz gerne. Sie sind unterhaltsam, actionreich, oft mit sehenswerten Bildern unterfüttert, sie sind simples aber auf seine Art liebenswertes Popcorn-Kino und ich sehe sie mir gerne des Nachts an, wenn ich mit meiner Arbeit fertig bin und einfach nur abschalten will. Aber aus irgend einem Grunde hatte ich von dem Anti-Superhelden-Film "Hancock" mehr erwartet. Ich hatte gedacht, dass das Deine Paraderolle wäre, dass Du in dem Film nicht nur, wie man so oft liest, Dich im Grunde nur selbst spielst, sondern der Figur Leben einhauchst, gerade deswegen weil Dir die Rolle so steht. Genau das aber ist nicht der Fall. Allein die Eröffnungsszene, in der Du mit einem Hangover auf einer Parkbank erwachst, eine Verfolgungsjagd im Fernsehen beobachtest, einer Frau an den Po grabschen willst, könnte wirklich grandios sein, wenn Du sie nicht so hölzern mit Leben, oder besser mit bloßen Stereotypien und reinem Nichts, füllen würdest. Leider wird das auch im restlichen Film nicht besser, sondern es ist eher das Gegenteil der Fall: Du spielst nicht, Du bist einfach nur da. Typisch für Dein Engagement in dem ganzen Film ist wohl die Szene in der Bar, in der Deine Rolle in der Ecke sitzt, während im Fernsehen über sie berichtet wird und die alte Frau Dich ansieht, Du aber einfach stur weiter so lässig und cool rumhängst wie zuvor. Du bist in dem Film eine tragende Hauptrolle, die wie eine kleine Nebenfigur agiert und spielt. Und jetzt erzähl mir nicht, dass die Figur eben so angelegt war. Ein Typ wie Du hat sicherlich maximale kreative Freiheiten in der Ausgestaltung seiner Rollen, besonders dann, wenn Du, wie in diesem Fall, der einzige Star in einem Film bist und das Projekt im Grunde alleine trägst. Statt wie erwartet in der Rolle Deines Lebens warst Du in der traurigsten Verfassung, in der ich Dich je gesehen habe.
Ich will ja nicht ungerecht sein: Es ist sicher nicht Deine alleinige Schuld, dass "Hancock" trotz der ursprünglich guten Idee ein katastrophal schlechter Film geworden ist: Das Drehbuch ist mies, der Plot absolut vorhersehbar, die Dialoge langweilig, der Humor, den der Film dringend gebraucht hätte, ist schlicht und einfach nicht vorhanden, selbst sehenswerte Actionszenen fehlen völlig und leider werden auch die wenigen Ansatzpunkte für Tiefgang nur mit zwei bis drei pathetischen Worten und ein paar plätschernden Geigensamples abgehandelt, aber Du trägst sicher einen Großteil dazu bei, dass man als halbwegs intelligenter Zuschauer schon nach ein paar Minuten das Interesse an "Hancock" verliert und das nächste Mal lieber in einen Superheldenfilm geht, bei dem man vorher weiß, was man bekommt, weil die Hauptfigur bereits bekannt ist. So wird der auch Flop von "Hancock", der nach diesem kollektiven Versagen absehbar hätte sein müssen, sicher alles andere als dazu beitragen, dass neue, innovative Konzepte in Zukunft realisiert werden, was Dich indirekt auch dafür veranwortlich macht, dass X eigentlich gute Filmideen niemals das schummerige Kinodunkel erblicken werden.
Ach, Will, Du wirst sicher weiterhin einer der höchstbezahlten Schauspieler Hollywoods bleiben und wir werden uns wohl noch oft begegnen, schließlich drehst Du derzeit jedes Jahr mindestens einen dieser Filme, die ich mir weiterhin ansehen werde, aber wirklich davon überzeugen, dass Du Deinen Beruf beherrschst, konntest Du mich heute wieder einmal nicht. Vielleicht hättest Du Dir nochmal ansehen sollen, wie Bruce Willis (ja, ausgerechnet der) in "Unbreakable" absolut überzeugend all das rüberbringt, was Dir in "Hancock" an allen Ecken und Enden fehlt.
Dein Sebastian.
Sonntag, 31. August 2008
Freitag, 29. August 2008
Welcome Home
Zweimal haben wir bereits angehalten, dieses Mal muss unser Fahrer tanken. Die Landesgrenze aber nehmen wir vorher noch, wir sind ja schließlich alle froh, mal wieder in der Gegend zu sein. Wir, das ist ein Haufen von vier zufällig zusammengewürfelten Menschen, die in Hamburg leben und arbeiten, aber doch alle irgendwie im Süden der Republik verwurzelt sind und die sich über mitfahrgelegenheit.de gefunden haben, um eben hierher zu kommen. Ein gerade promovierender Inder, ein Soldat, ein Typ, der eine Ausbildung in der Tourismusbranche macht und ich. Wir stehen gerade zwei Minuten an der Raststätte, noch etwas abseits von den Zapfsäulen, rauchend, als neben uns ein weißer Audi hält. "Guten Abend. Zivilstreife. Wir suchen nach Waffen, Sprengstoff, Drogen", sagt einer der beiden Typen, die eilig aussteigen und mit ihren Ausweisen wedeln. Die Art und Weise, wie er das sagt, erinnert mich an einen Klassenkameraden aus der Grundschule, der Gedichte zwar perfekt auswendig lernen, aber beim Vortrag vor der Klasse nicht richtig intonieren konnte.
"Willkommen in Bayern", murmelt mir der Jüngste in unserer illustren Reisegruppe zu und trifft die Sache damit so haarscharf auf den Punkt, dass ich kurz laut auflachen muss, was für ersten Unmut bei den Beamten sorgt. Die nächste Stunde verbringen wir damit, dass unser komplettes Gepäck durchwühlt wird, dann ziehen die beiden Herren, scheinbar fast beleidigt darüber, dass wir nichts verwertbares dabei hatten, mürrisch ab.
Donnerstag, 28. August 2008
Der Selbstkritiker (IX)
Rational betrachtet ist dieses Blog eine einzige Katastrophe. Die Updates erfolgen unwillkürlich, spontan und unregelmäßig, ein roter Faden existiert nicht, vielmehr springt der Autor zwischen unlesbarer Lyrik, Rezensionen zu allen denkbaren Kulturerzeugnissen, persönlichen Rants und eigenen Bildwerken aus verschiedensten Kategorien. Die Besucherzahlen schwanken so extrem irgendwo zwischen 200 und 10, dass einem beim Betrachten der Kurve schlecht wird, selten verirrt sich auch nur ein einziger Mensch pro Tag hierher, Kommentare kommen selten bis gar nicht vor, Verlinkungen oder Interaktion mit anderen Blogs gibt es kaum.
Eine Spielwiese! Ganz für mich.
Dienstag, 26. August 2008
Instant Poetry (CXV)
Die Verse Deiner Väter
wurden in der Fabrik gebaut.
Heute ist man weiter:
Man schnitzt sie wieder selbst.
Teilweise ganz simultan.
Montag, 25. August 2008
Music Sketches (I)
Unfinished song I started writing today:
Boomp3.com
Working title: 'Unreal'
Singer: Swantje T. aka Z.
Sonntag, 24. August 2008
Fragestunde (VIII)
Wer sind Ihre Freunde? Menschen, die Sie insgeheim bewundern? Menschen, in deren bloßer Gegenwart Sie sich wohlfühlen? Menschen, in deren Anwesenheit Sie sich benehmen können, wie auch immer Sie wollen, wissend, dass sie nichts von dem, was Sie sagen oder tun falsch verstehen werden?
Donnerstag, 21. August 2008
Rezensionen (IX): Metallica
Review: Metallica - 'The Day That Never Comes'
(2008/Musik:Song)
Nach gefühlten zigtausenden von nichtssagenden Videoschnipseln und Songclips ist es seit heute Abend endlich soweit: Die erste Single der neuen Metallica-Platte "Death Magnetic" ist auf der Homepage der Band in ihrer Gänze im Stream zu hören. 'The Day That Never Comes' heisst das Stück und der Titel ist mindestens ein kleiner ironischer Seitenhieb auf die viele Kritik, die die Band in den letzten Jahren (oder besser: Jahrzehnten) einstecken musste, denn viele, viele Metallica-Fans hätten es niemals für möglich gehalten, dass Metallica wirklich nochmal so klingen würden und vor allem könnten wie in den 80ern. Doch tun sie das wirklich? Jein. Die Struktur, der Aufbau und der erste Eindruck des Songs legen eine Nähe vor allem zu "...And Justice For All" zwar nahe, wenn man aber genauer hinhört, offenbaren sich doch einige Unterschiede: Da ist zum einen der wirklich grandiose Sound, der, wenn man davon absieht, dass die Drums einen Tick zu weit nach vorne gemischt sind, seinesgleichen sucht. Auf der anderen Seite, und das ist die einzige Kritik, die man an 'The Day The Never Comes' üben kann, ist da die Stimme von James Hetfield, die leider den Schwachpunkt des ganzen Songs darstellt, was wohl auch ein Grund dafür sein dürfte, dass er sie so spärlich einbringt: Hetfield singt anno 2008 leider weder so gut wie zu "Load"-Zeiten, noch keift er so gut wie jungen Jahren, zudem hat er keinen griffigen Refrain oder auch nur Melodiebogen zur Hand, der den Song aufwerten könnte. Selbiges Manko aber gleichen die Gitarren locker aus, denn auch wenn Kirk Hammets Solo am Ende etwas zwanghaft wirkt, ist die Nummer doch mit extrem leckeren Riffs und Melodien geradezu vollgestopft.
'The Day That Never Comes' ist ein gewaltiger Metal-Song, den man in der Form sicher nicht ohne viel Optimismus von Metallica hätte erwarten dürfen und der vor allem erstaunlich kurzweilig daherkommt (man glaubt kaum, dass das 8 Minuten sein sollen, wenn man die Uhr nicht im Auge behält). Wenn das zugehörige Album noch drei, vier stärkere Tracks beinhaltet, kann man durchaus schonmal anfangen, die Rückkehr der größten Metal-Band der Welt zu feiern.
Bis dahin:
7,5 von 10 Punkten.
NeuRosen (L)
Wenn ich eine Sache nennen müsste, die ich wirklich hasse, dann wäre die Antwort: "Das Warten". Nein, ich bin kein ungeduldiger Mensch, ganz im Gegenteil: Wenn ich weiß, dass eine Sache noch Jahre dauern wird, erst 2014 stattfindet oder erst dann, wenn ich einmal im Altersheim bin, dann warte ich beharrlich Jahr um Jahr und vergesse nie den Grund des Wartens. Was ich jedoch abgrundtief hasse ist das sinnlose, nicht zeitlich genau definierte Warten, das eindeutig auf die Schuld oder die bloße Trödelei einer einzelnen Person oder Institution zurückzuführen ist und das bis zu einem ungewissen Zeitpunkt in der näheren Zukunft dauern wird. Diese Art von Warten lähmt mich. Ich kann in so einer Situation nichts anderes tun, als stundenlang am Fenster zu stehen und das Ereignis in jeder einzelnen Sekunde zu antizipieren.
Mittwoch, 20. August 2008
Musikalische Fundstücke (VI): Über Emos
In einem lesenswerten Artikel in der "linken Wochenzeitung" Jungle World, den man auch online lesen kann, versucht Martin Büsser die Frage zu klären, warum alle Subkulturen gleichermaßen Emos hassen.
Ich ganz persönlich hasse Emo übrigens aus dem Grunde, der im letzten Absatz des Artikels ansatzweise erklärt wird: Diese vermeintliche "Bewegung", die nichteinmal ein richtiges Feinbild (wie etwa den Kapitalismus oder die spießige Gesellschaft) hat, ist schon deswegen keine solche, weil sie nichts als ein zusammengeklauter, mainstreamiger Stilmix aus richtigen Bewegungen (vorwiegend Punk und Gothic) ist, der zudem keinerlei wirklich eigenständige bzw. in irgendeiner Form relevante Musik hervorgebracht hat. Im Sinne einer Subkultur sind Emos von daher so in etwa so bedeutend wie H&M-Klamotten-Träger.
Daily Irrsinn (VI)
Aus der Reihe: "Passiert das nur mir oder auch anderen Menschen?" (Folge 1372):
Heute: Was passiert, wenn Sebastian eine dringende Bestellung hat?
Er bestellt natürlich bei Amazon. Ist zwar etwas teuerer, aber dafür zuverlässiger und schneller, noch dazu ist die Ware auf Lager. Denkt er. Aber im Logistikzentrum von Amazon macht irgendjemand irgendeinen Fehler, so dass seine Bestellung erstmal vier Tage lang "gleich versendet" wird. Er ruft also dort an und die nette Dame am anderen Ende der Leitung verspricht ihm, sich sofort darum zu kümmern. Tut sie auch, das dauert zwar nochmal einen ganzen Tag, aber dann ist die Ware endlich auf dem Weg. Sebastian wird also bald sein Paket in Händen halten. Glaubt er. Aber er hat nicht daran gedacht, dass da ja auch noch DHL mitspielen muss. Deren Auto fuhr gerade eben gemütlich den dritten Tag seit dem Versand in Folge die Straße runter, in der Sebastian wohnt. Ohne anzuhalten.











